| Anschaffung und Haltung von Wellensittichen | |
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So fängt die Wellimania oftmals an:Mami, Sabrina
hat einen Wellensittich, ich möchte auch einen! |
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Ein kleines Buch über Wellensittche gekauft, einen Käfig, und von einer Privatzüchterin einen jungen gelben Welli mit schwarzen Augen, Jerry. Das war vor 12 Jahren. Ich muß gestehen, daß ich damals ziemlich blauäugig und mit Null Ahnung an die Vogelhaltung herangegangen bin. Man sollte sich doch einige Gedanken machen, bevor man die Verantwortung für so ein Tierchen übernimmt, und man sollte sich darüber im Klaren sein, daß die Kinder nur allzu oft zu Anfang begeistert sind und sich wirklich um ihr Tier kümmern. Bald aber wird die Belastung durch die Schule größer, es kommen weitere Interessen hinzu, die für den Vogel zur Verfügung stehende Zeit wird immer knapper. Gut für das Tier, wenn die Eltern es gern haben! Nun, unser Jerry hat es nicht so schlecht getroffen. Nach einem halben Jahr bekam er Gesellschaft in Form einer jungen Henne und dann kamen immer mehr dazu. Die folgenden Zeilen schreibe ich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, andere Halter mögen durchaus andere Erfahrungen und Ansichten haben. Wellensittiche sind kleine Individualisten, es gibt keine zwei, die sich gleich verhalten! |
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Grundsätzliche Überlegungen vor der Anschaffung |
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Alle Heimtiere sollten so artgerecht wie möglich gehalten werden. Dies gilt in besonderem Maße für Vögel, die nicht domestiziert sind, wie Katzen oder Hunde. Vögel gewöhnen sich zwar an den Menschen, aber sehen in ihm halt in erster Linie ihren Futterspender. Der Mensch ist kein wirklicher Partner für einen Vogel, er versteht nicht die Lautäußerungen und die Körpersprache, er kann nicht reagieren wie ein Vogel. Auf der anderen Seite sind gerade Wellensittiche sehr neugierig, benutzen den ihnen vertrauten Menschen als Spielplatz, turnen auf ihm herum, fliegen hinterher, erkunden alles, manche können auch Wörter der menschlichen Sprache erlernen. Dennoch brauchen sie unbedingt einen Partner der gleichen Art, um glücklich zu sein. Für Wellensittiche, die von Natur aus Schwarmvögel sind, ist es am besten, sie in einer Gruppe zu halten. Zu ihrem Leben gehört das Streiten um das Futter oder um die besten Schlafplätze geauso wie das gegenseitige Kraulen und Füttern und das Ausleben ihrer sexuellen Bedürfnisse. Dies alles kann ihnen kein Mensch ersetzen. Ganz wichtig ist die Bereitschaft, sich auf
die Bedürfnisse des Vogels einzustellen. |
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Unterbringung |
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Es muß ausreichend Platz vorhanden sein. Der Käfig kann, auch bei Freiflug, garnicht groß genug sein. Er sollte mindestens 100 x 50 x 50 cm (LängexBreitexHöhe) groß sein. Diese Maße sind in dem Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien vom 10. Januar 1995 festgelegt und gelten für zwei Vögel. Die kleinen, üblicherweise im Handel angebotenen Käfige, etwas 40 x 30 x 50 cm eignen sich bestenfalls als Transportkäfige oder um ein krankes Tier eine Zeit lang von den anderen zu trennen. Nicht geeignet sind runde Käfige (tierschutzwidrig). Auch sogenannte Volieren mit einer kleinen Standfläche, dafür aber 1,80 m hoch sind ungünstig, denn Wellensittiche können nicht so steil nach oben fliegen. Außerdem werden sie sich ohnehin nur im oberen Bereicht aufhalten. Alle Familienmitglieder sollten mit der Anschaffung von Vögeln einverstanden sein. Die Käfigeinrichtung soll so beschaffen sein, daß die Vögel wenigstens ein kleines Stückchen fliegen können. Naturäste sind erheblich besser geeignet als die Käfigstangen aus Hartholz oder Plastik. Naturäste können angenagt werden und sorgen für gesunde Fußgymnastik aufgrund ihrer unterschiedlichen Dicke. Schaukeln sind sehr beliebt, es sollten genauso viele Schaukeln wie Vögel vorhanden sein. Auf Plastikspielzeug und Glöckchen kann man gut verzichten, Spiegel
gehören nicht in den Käfig, sie sind als tierschutzwidriges
Zubehör eingestuft. Warum? Der Vogel erkennt in dem Spiegelbild einen
vermeintlichen anderen Vogel, versucht, mit diesem Kontakt aufzunehmen
(den der Spiegel natürlich nicht erwiedert). Der Vogel ist frustriert
und entwickelt möglicherweise Verhaltensstörungen. Häufig
wird das Spiegelbild gefüttert. Da das hochgewürgte Futter aber
nicht abgenommen wird, kann es zu Kropfentzündungen kommen. Trinkwasser- und Futternäpfe werden so angebracht, daß sie nicht so leicht verschmutzt werden, also nicht direkt unter einer Sitzgelegenheit. Es sollten mehrere Freßnäpfe vorhanden sein, denn Wellensittiche lieben es, an verschiedenen Plätzen ihr Futter zu suchen. Als Einstreu dient, je nach Käfiggröße und Geschmack, Vogelsand, Buchenholzgranulat, Maisschrot, oder Hanfstreu. Den Käfig stellen wir so auf, daß die Vögel in etwa in Augenhöhe sitzen. Sie mögen es nicht, wenn man von oben auf sie draufschaut. Selbstverständlich darf der Vogel nicht im Zug stehen und auch nicht bei Sonnenstrahlung direkt am Fenster. |
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Der Kauf |
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Haben wir uns nun entschieden, mindestens ZWEI Wellensittiche anzuschaffen, stellt sich die Frage nach dem Woher. Entscheidet man sich, Vögeln aus dem Tierheim oder aus einer Zeitungsanzeige (...umständehalber abzugeben...) ein neues Zuhause zu geben, tut man sicher ein gutes Werk. Natürlich kann man dann nicht die Farbe aussuchen, die Vögel sind evtl. schon älter, haben schlechte Erfahrungen oder sind falsch ernährt worden. Ältere Vögel lernen langsamer, brauchen u.U. Monate, um ein wenig Vertrauen zum Menschen aufzubauen, werden vielleicht niemals zahm. Mitunter findet man aber auch auf diesem Wege Tiere, die schon handzahm sind, sofern einem dieses Kriterium wichtig ist. Jungtiere werden im Alter ab etwa 6 Wochen von Züchtern und vom Zoofachhandel angeboten. Hier ist darauf zu achten, daß der kleine Kerl, den wir uns ausgesucht haben, einen gesunden, munteren Eindruck macht, daß Nase, Augen und Kloake sauber sind. Hahn oder Henne? Ideal ist es natürlich, einen Hahn und eine Henne (bzw. eine gleiche
Anzahl Hähne und Hennen) zu haben. Hähne untereinander vertragen
sich in der Regel gut, Hennen sind zumeist etwas zickig und streitlustig,
insbesondere dann, wenn sie brutlustig sind. |
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Zähmen |
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Wie bekommen wir unsere neuen Hausgenossen zahm, oder besser gesagt,
wie nehmen wir ihnen die Angst vor der Hand? Die einzige Antwort darauf
heißt: mit sehr viel Geduld! Es gibt sehr scheue, ängstliche Vögel, die evtl. negative Erfahrungen gemacht haben, niemals richtig zutraulich werden und es gibt solche, die schon nach kurzer Zeit auf die Hand steigen. Beide Verhaltensweisen soll und muß man akzeptieren. Überhaupt soll man nicht verlangen, daß sich der Vogel nach dem Willen der Menschen richtet, es sollte eher umgekehrt sein. Beobachten wir die Vögel gut, können wir ihre natürlichen Verhaltensweisen ausnutzen, um ihnen das eine oder andere an- oder abzugewöhnen. Ganz junge Wellensittiche (5 -6 Wochen) haben meist noch so eine babyhafte Zahmheit, lassen sich problemlos greifen und in die Hand nehmen. Werden sie etwas älter und kommen in die Jugendmauser, verliert sich dieses Verhalten und sie sind mitunter für einige Wochen eher scheu. Auch ältere Wellensittiche vom Tierheim oder aus schlechter Haltung können noch handzahm werden, es dauert allerdings länger, ihr Vertrauen zu gewinnen. Eine solche Henne ist nach zwei Jahren das erste Mal für Kolbenhirse auf meine Hand gekommen! Wobei ich allerdings sagen muß, daß meine Vögel im Minischwarm leben und ich mich nicht so sehr darum bemühe, sie handzahm zu machen. Oft liest man in Büchern, daß man die neu angeschafften Vögel so lange im Käfig belassen soll, bis sie von alleine auf die Hand kommen. Das mag bei ganz jungen Vögeln klappen, ältere geraten gerade im Käfig schnell in Panik, wenn man die Hand hineinstreckt. Sie lernen viel eher, wenn sie draußen sind, wohl weil ihnen die Fluchtmöglichkeit nicht genommen ist. |
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Dies waren ein paar grundlegende Überlegungen zur Anschaffung und Haltung dieser kleinen, possierlichen Clowns. Es gäbe noch sehr viel zu sagen, nicht umsonst gibt es eine Vielzahl von Büchern zu der Thematik. Jeder (angehende) Wellensittich-Halter sollte sich ein wenig Literatur anschaffen, um sich über Anschaffung, Haltung, Ernährung, Körperbau, Krankheitszeichen, Erste Hilfe, usw. zu informieren, damit er nicht enttäuscht wird und lange Freude an seinen Tieren hat. Anregungen und Hilfestellung bei Problemen findet man auch in Internet-Foren, z.B. bei www.Vogelforen.de |
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